Illustrationskunst der DDR
Geliebtes Bilderbuch - Galerie Himmlisch zeigt Illustrationskunst der DDR
Meißen, 6. Juni, 15 Uhr: In der Galerie Himmlisch in der Görnischen Gasse wurde die erste Veranstaltung des Meißner Kultursommers 2026 eröffnet. Unter dem Titel „Geliebtes Bilderbuch – Illustrationskunst in der DDR“ ist hier bis zum 8. August eine ganz besondere Kinderbuchsammlung zu sehen. Für Christina Koenig ist es mittlerweile das siebte Ausstellungsformat, bei dem sie ganz bewusst auf die Beteiligung der Menschen aus Meißen und Umgebung gesetzt hat. Und auch diesmal wurde aus einem Aufruf ein gemeinsames Projekt. Rund 250 Kinderbücher fanden den Weg in die Galerie – viele davon verbunden mit ganz persönlichen Erinnerungen. Für viele Besitzer waren es eben nicht nur alte Bücher aus dem Regal oder vom Dachboden. Die Übergaben waren teilweise sehr emotional. Einige Einsendungen kamen sogar noch lange nach dem offiziellen Abgabeschluss – verbunden mit der Bitte, die Bücher trotzdem auszustellen oder dauerhaft weiterzugeben. Dabei erzählt jedes Exemplar seine eigene Geschichte. Manche Bücher sind so wertvoll oder persönlich, dass sie nur betrachtet werden dürfen. Andere wurden ausdrücklich abgegeben, damit Besucher wieder darin blättern können – so wie früher. Zwischen bekannten Titeln wie dem „Struwwelpeter“, „Backe, backe Kuchen“ und vielen weiteren Kinderbuchklassikern geht es deshalb nicht nur um gedruckte Seiten, sondern auch um Erinnerungen. Genau das war auch bei der Eröffnung zu spüren. Etwa 25 Gäste kamen in die Galerie Himmlisch. Zwischen Büchern und Bildern wurde viel gelacht, erzählt und gemeinsam zurückgeblickt. Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung von der Berliner Liedermacherin Maren, die mit ihren Liedern für einen stimmungsvollen Rahmen sorgte. Aus der Vielzahl der Einsendungen musste zunächst eine Ordnung entstehen. Die rund 250 Titel wurden gesichtet und schließlich nach den vier Jahrzehnten der DDR eingeordnet – ergänzt durch Themenbereiche, Motive und verschiedene künstlerische Handschriften. Unter den ausgestellten Werken finden sich zahlreiche bekannte Namen der Illustrationskunst. Lea Grundig zählt zu den bedeutenden Grafikerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Arbeiten zeichnen sich besonders durch ausdrucksstarke Figuren und einen unverwechselbaren Zeichenstil aus. Die jüdische Künstlerin wurde während der NS-Zeit verfolgt, emigrierte zeitweise nach Palästina und kehrte später in die DDR zurück, wo sie auch kulturpolitisch aktiv wurde. Auch Klaus Ensikat ist vertreten. Der vielfach ausgezeichnete Illustrator wurde vor allem für seine detailreichen und kunstvollen Zeichnungen bekannt und prägte zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Ebenso zu entdecken sind Werke von Karl Gotthardt Niedlich. Er illustrierte mehr als siebzig Bücher und wurde mehrfach für seine Buchgestaltungen ausgezeichnet. Klaus Ensikat und Karl Gotthardt Niedlich konnte Christina Koenig während ihrer eigenen Arbeit als Autorin sogar persönlich kennenlernen. Die Ausstellung versteht sich dabei weniger als politischer Rückblick, sondern als Blick auf die Kunst zwischen zwei Buchdeckeln. Viele Illustrationen entstanden noch in aufwendiger Handarbeit – mit Techniken, Stilen und Details, die Generationen von Kindern begleitet haben. Für Christina Koenig liegt genau darin der Wert dieser Bücher: Sie waren oft die erste Begegnung mit Kunst und Fantasie und ein erster Blick in fremde Welten. Zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten werden bis zum Ende der Ausstellung jeden Sonnabend einzelne Buchtitel vorgestellt und Lesungen angeboten. Noch bis zum 8. August bleibt die Galerie Himmlisch damit ein Ort zum Erinnern, Wiederentdecken – und ein zweites Zuhause für manch fast vergessene Bilderbuch.
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