Datum: 19.10.2026
Rubrik: Nachrichten
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Beitrag: Berggeschrei – Schlaraffen unter Tage

Berggeschrei – Schlaraffen unter Tage

Berggeschrei – Schlaraffen unter Tage


Tief unter der Erde, umgeben von mächtigen Gesteinsformationen, wurde es im Alten Kalkbergwerk Miltitz auf ungewöhnliche Weise lebendig. Wo einst Bergleute ihrer schweren Arbeit nachgingen, trafen sich diesmal rund 30 Herren, die mit dem Bergbau eigentlich wenig zu tun haben. Die Meißner Schlaraffen aus dem Reych Castellum Misena hatten zu einer besonderen Sippung eingeladen. Und dafür einen außergewöhnlichen Ort gewählt: die sogenannte Pulverkammer. Für das passende Fachwissen sorgte Geologe Holger Sickmann. Der Meißner beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Mineralien, Gesteinen und der geologischen Geschichte seiner Heimat. Eigentlich ist Sickmann gelernter Porzellangestalter. Seine Leidenschaft für die Welt der Steine entdeckte er bereits als Kind. Angesteckt hatte ihn sein Vater, der selbst Mineralien sammelte. Heute ist Sickmann ein ausgewiesener Kenner der regionalen Geologie. Und wer ihm zuhört, merkt schnell, dass selbst hinter unscheinbaren Gesteinen erstaunliche Geschichten stecken. Auch das Kalkbergwerk Miltitz hat geologisch einiges zu bieten. Das Gebiet gehört zum Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge. Vor Millionen Jahren drang heißes Magma in die Gesteinsschichten ein. Durch die Hitze veränderte sich der eingelagerte Kalkstein und wurde zu Marmor. Die Geschichte des Kalkabbaus in Miltitz reicht weit zurück. Bereits 1571 wurde er urkundlich erwähnt. Zunächst erfolgte die Förderung oberirdisch. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Abbau unter die Erde. Dabei entstanden gewaltige Hohlräume, die teilweise eine Höhe von zwölf Metern erreichen. 1924 wurde die Förderung im Alten Kalkbergwerk eingestellt. Ein dunkles Kapitel folgte während des Zweiten Weltkrieges. Unter Einsatz von KZ-Häftlingen sollte hier eine unterirdische Treibstoffproduktionsanlage entstehen. 17 Häftlinge kamen ums Leben. Seit dem Jahr 2000 ist das ehemalige Bergwerk für Besucher zugänglich. Zu seinen besonderen Räumen gehört die Pulverkammer, rund 60 Meter unter der Erdoberfläche, ganzjährig etwa acht Grad. Für die Schlaraffen war das allerdings kein Hindernis. Im Gegenteil: Das ungewöhnliche Ambiente wurde zur Kulisse für eine Sippung nach schlaraffischem Ritual. Außerdem wurde der Raum aufgeheizt. Und auch beim Wochentag machten die Meißner Schlaraffen diesmal eine Ausnahme. Statt wie gewöhnlich am Donnerstag trafen sich die Sassen am Sonnabend, dem 17. Oktober. Neben den Meißner Gastgebern aus Castellum Misena waren Gäste aus Gorlitia in Görlitz, Dresa florentis in Dresden, Potsdamia aus Potsdam und Elberfeldensis aus Wuppertal gekommen. Die Schlaraffia ist ein internationaler Männerbund, der bereits 1859 in Prag gegründet wurde. Ursprünglich waren es vor allem Theaterleute und Künstler, die sich der Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor verschrieben hatten. Bis heute folgen die Schlaraffen einem humorvollen, an das mittelalterliche Rittertum angelehnten Zeremoniell. Ihre Zusammenkünfte nennen sie Sippungen, die gewöhnlich in einer sogenannten Burg stattfinden. Diesmal jedoch tief unter der Erde. Trotz der improvisierten Bedingungen wurde das traditionelle Zeremoniell gepflegt. Der Name des Abends passte jedenfalls: „Berggeschrei“. Ein Begriff, der an die Geschichte des Bergbaus erinnert und zugleich genügend Spielraum für schlaraffischen Humor ließ. So verband sich in der Miltitzer Pulverkammer die jahrhundertealte Geschichte des Bergbaus mit geologischem Wissen und schlaraffischer Tradition. Ein Abend, der zeigte, dass es im Meißner Land nicht nur über der Erde, sondern auch tief darunter einiges zu entdecken gibt. Ein weiterer bemerkenswerter Ort liegt unweit der Pulverkammer: der unterirdische See. Das glasklare Wasser gibt den Blick auf die gefluteten Gesteinsformationen frei. Seit 1996 wird das Alte Kalkbergwerk auch von Tauchern genutzt und gilt als ältestes Tauchbergwerk Deutschlands. Speziell ausgebildete Höhlentaucher erkunden hier die überfluteten Stollen. Für die Schlaraffen bot der See dagegen eine eindrucksvolle Kulisse für Erinnerungsfotos. Schlaraffische Gewänder und Bergmannshelme boten dabei einen ungewöhnlichen Anblick zwischen den gewaltigen Felswänden. Und auf Anregung von Holger Sickmann wurde die besondere Akustik der Felsräume gleich noch musikalisch genutzt. Gemeinsam stimmten die Sassen das traditionelle Steigerlied an. Wer das Alte Kalkbergwerk Miltitz selbst kennenlernen möchte, kann an einer Führung teilnehmen. Auch die Pulverkammer lässt sich für Veranstaltungen nutzen. Informationen zu Besichtigungen und zur Vermietung gibt es bei der Gemeindeverwaltung Klipphausen. Wer die Schlaraffen und ihre Traditionen näher kennenlernen möchte, hat dazu fast jeden Donnerstag Gelegenheit. Dann treffen sich die Meißner Sassen des Reyches Castellum Misena zu ihren regulären Sippungen in ihrer Burg. Interessierte Herren sind als Gäste willkommen.

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