Datum: 03.11.2026
Rubrik: Nachrichten
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Beitrag: Weinhoheiten treffen auf Schlaraffen

Weinhoheiten treffen auf Schlaraffen

Königlicher Besuch im Castellum Misena in Meißen


Ritterhelme, farbenprächtige Gewänder und eine Sprache, die aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen scheint. In der Heimburg des Castellum Misena wurde am vergangenen Donnerstag wieder nach den Regeln der Schlaraffen gespielt. Zahlreiche Einreyter aus befreundeten Reychen waren nach Meißen gekommen, um gemeinsam mit den heimischen Rittern Freundschaft, Kunst und Humor zu pflegen. Doch diese Sippung sollte noch eine besondere Wendung nehmen. Während der erste Teil ganz im Zeichen des traditionellen Ritterspiels stand, kündigte sich für die zweite Hälfte hoher Besuch an. Und der brachte königlichen Glanz und ein gutes Stück sächsische Weinkultur in die Burg. Zu Gast waren die amtierende Sächsische Weinkönigin Luise Puhlmann, Weinprinzessin Jessica Löffner und die ehemalige Weinprinzessin Sabine „Leo“ Leonhardt. Luise Puhlmann trägt seit August die Krone der 37. Sächsischen Weinkönigin. Gemeinsam mit den beiden Weinprinzessinnen repräsentiert sie das sächsische Anbaugebiet weit über die Region hinaus. Die zweite amtierende Weinprinzessin, Joséphine Sander, war an diesem Abend nicht dabei. Dafür begleitete Sabine Leonhardt die beiden Weinhoheiten. Sie war von 2022 bis 2024 selbst als Weinprinzessin im Einsatz und engagiert sich weiterhin für den sächsischen Wein. Mit dabei war auch Carsten Puhlmann, der Vater der amtierenden Weinkönigin. Er ist Vorsitzender der Weinbaugemeinschaft Radebeul-Niederlößnitz und betreibt die Besenschänke Haselbusch mit. Seine Tochter wuchs mit dem Weinbau auf und wurde schon früh an die Arbeit in den Weinbergen herangeführt. Dass gleich drei Frauen in der Heimburg zu Gast waren, ist bemerkenswert. Denn die Schlaraffia ist eine traditionelle Männergemeinschaft. Ihre regulären Sippungen sind ausschließlich Männern vorbehalten. Im schlaraffischen Ritterspiel werden Frauen allerdings als Burgfrauen besonders verehrt. Die Ursprünge der Schlaraffia reichen bis ins Jahr 1859 zurück. Damals gründeten Künstler und Theaterleute in Prag die ungewöhnliche Gemeinschaft. In Meißen sind die Schlaraffen seit 2015 wieder aktiv und feierten im vergangenen Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum. Für einen besonderen Höhepunkt sorgte das sogenannte Sabrieren. Bei dieser traditionellen Methode wird eine Schaumweinflasche mit einem Säbel geöffnet. Mit einem gezielten Schlag wird der obere Flaschenhals mitsamt Korken abgetrennt. Die als Sabrage bezeichnete Technik passte bestens zu diesem ungewöhnlichen Zusammentreffen. Die Weinhoheiten repräsentieren nicht nur die Winzer, sondern auch die jahrhundertealte Weinkultur entlang der Elbe. Damit haben sie durchaus etwas mit den Schlaraffen gemeinsam. Beide pflegen ihre Traditionen und tragen sie auf unterschiedliche Weise in die Gegenwart. Und so zeigte sich an diesem Abend: Im Castellum Misena braucht es weder eine echte Burg noch einen Adelstitel, um für ein paar Stunden in eine andere Welt einzutauchen. Manchmal reichen dafür schon ein Ritterhelm, eine Krone und ein gutes Glas sächsischer Wein.

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