Elbtalweinlauf 2026
Elbtalweinlauf 2026
Sportliche Vorbereitung sieht normalerweise etwas anders aus. Beim Elbtal-Weinlauf beginnt sie traditionell schon am Freitagabend – im großen Festzelt an der Hafenstraße. Und obwohl die Veranstaltung inzwischen ihre 22. Auflage erreicht hat, ist von bloßer Routine bei den Organisatoren offenbar keine Rede. Vereinsvorsitzender vom SV Elbland Coswig Meißen eV Torsten Schröder brachte es auf der Bühne ziemlich knapp auf den Punkt. Ganz ohne Erfahrung geht es bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung natürlich nicht. 3.000 Teilnehmer wollten vorbereitet, versorgt und am nächsten Tag auf vier unterschiedlichen Strecken sicher durchs Elbtal gebracht werden. Am Freitagabend durfte zunächst aber noch ein wenig Wiesn und Oktoberfest Stimmung aufkommen. Nur drehte es sich hier weniger um Bier sondern deutlich mehr um das, was der Veranstaltung schließlich ihren Namen gibt. Gemeinsam eröffneten die drei Sächsischen Weinhoheiten den Abend mit dem Fassanstich: die Sächsische Weinkönigin Luise Puhlmann sowie die beiden Weinprinzessinnen Jessica Löffner und Joséphine Sander. Danach übernahm das Retroskop Duo die musikalische Versorgung, später kamen die Tanzbeats von Moderator und DJ Alex Pitchens. Die Beine wurden also schon einmal bewegt – wenn auch zunächst noch ohne Kilometerkonto. Wer aus Meißen und wer aus Sachsen und wer von weiter her angereist war zeigte sich ganz nebenbei bei einer Umfrage im Festzelt. Ein großer Teil der Gäste hatte eine deutlich weitere Anreise hinter sich und somit sorgt die Veranstaltung für gute Übernachtungszahlen und Umsatz in Hotels und Gastronomie. Am Sonnabend ging es dann tatsächlich auf die Strecke. 3.000 Teilnehmer bedeuteten erneut ein vollständig ausgeschöpftes Starterfeld. Zur Auswahl standen vier Varianten über 10, 12, 17 und 30 Kilometer. Wobei das Wort „Lauf“ nur die halbe Wahrheit erzählt. Denn Zeitmessung und Platzierungen spielen beim Elbtal-Weinlauf kaum eine Rolle. Wer wandert, läuft oder mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs ist, entscheidet ebenso selbst wie über das Tempo. Schließlich liegen zwischen Start und Ziel einige Argumente, nicht allzu schnell voranzukommen. Entlang der Sächsischen Weinstraße verbinden sich Landschaft, Bewegung und die Verpflegungsstationen miteinander. Dort wartet neben Essen eben auch das eine oder andere Glas sächsischer Wein. Dass 3.000 Menschen möglichst störungsfrei auf unterschiedlichen Strecken unterwegs sein können, passiert allerdings nicht von allein. Einer, der die Wege inzwischen ziemlich genau kennen dürfte, ist Dietmar Heinrich. Gemeinsam mit Rolf Baum kümmert er sich um die Streckenführung und kontrolliert die Routen im Vorfeld noch einmal selbst. Heinrich gehört seit Beginn zu den prägenden Organisatoren des Weinlaufs. Dass er auf mehr als zwei Jahrzehnte Elbtal-Weinlauf mit einigem Stolz zurückblickt, dürfte kaum überraschen. Erst vor wenigen Wochen erhielt Dietmar Heinrich zudem den Ehrenpreis der Stadt Meißen. Gewürdigt wurde damit sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für den Laufsport im gesamten Landkreis. Und irgendwann führen die Wege wieder zurück in Richtung Meißen. Kurz vor dem Ziel wartet traditionell noch eine Station, bei der es mit dem schnellen Weiterlaufen erfahrungsgemäß schwierig wird. Auf dem Winkwitzer Hügel übernimmt seit vielen Jahren der Gewerbeverein Meißen die Versorgung. Uwe Reichel, Andreas Krause und ihre Mitstreiter haben hier oben nach eigener Erfahrung schon so ziemlich jede Wetterlage erlebt. In diesem Jahr ließ sich vor allem wieder : die Aussicht genießen. Von hier reicht der Blick weit über das Elbtal bis zur Meißner Altstadt. Entsprechend wurde aus manchem vorgesehenen kurzen Zwischenstopp dann doch eine etwas längere Pause. Vielleicht spielte dabei aber auch die Getränkeauswahl eine gewisse Rolle. Denn am letzten Verpflegungspunkt gibt es traditionell Rotwein. Für manchen Teilnehmer ist das nach etlichen Kilometern offenbar der Moment, an dem die persönliche Bestzeit endgültig keine Rolle mehr spielt. Die wird beim Weinlauf allerdings ohnehin nicht gemessen. Und wer auf dem Winkwitzer Hügel genau hinschaute, bekam sogar schon einen kleinen Vorgeschmack auf die nächste Jahreszeit. Denn für den Gewerbeverein ist nach dem Weinfest bekanntlich fast schon wieder Weihnachten. Uwe Reichel und Andreas Krause sind schließlich auch bei der Meißner Weihnacht maßgeblich mit im Einsatz. So lagen an diesem Wochenende zwischen Weinfass und Weihnachtsstimmung gerade einmal einige Kilometer Weinberg. Und genau das gehört wohl zum Erfolgsrezept des Elbtal-Weinlaufs: Am Ende zählt nicht, wer zuerst ankommt – sondern wie viel Zeit man sich unterwegs gelassen hat.
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