Slalomfahrt und Edelprovisorium
Straßenbau ist nicht gleich Straßenbau
Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Diese Erkenntnis lässt sich inzwischen auch im Straßenbau beobachten. Zum einen gibt es Bundesstraßen. Wird an diesen gebaut, dann ist das Beste gerade gut genug. So baut der Bund in der Ortslage Meißen an der Bundesstraße 6. Mit viel Aufwand wurde ein Damm geschüttet. Zwischen mehreren Lagen Geotextil lagern gut verdichtete Schotter- und Kiesschichten. Obendrauf wurden in der vergangenen Woche eine Bitumen-Tragschicht und eine edle Deckschicht aufgebracht. Natürlich ist die Straße nur komplett mit einem DIN-gerechten Bordstein, maßgenau verlegt in einem Betonbett. Das ist eine Bundesstraße. In der Ortslage Meißen gibt es auch Straßen, die keine Bundesstraßen sind – zum Beispiel die Neugasse. Auch diese wurde erneuert. Vor drei Jahren brachten Spezialisten mehrere Schichten Rollsplit auf das Pflaster auf. Für mehr war kein Geld da, denn die Straße gehört der Stadt Meißen – und diese ist arm. Ein bisschen Frost am Winteranfang sorgt nun für Unmut. Die schöne glatte Straße hatte nur drei Jahre gehalten. Autofahrer üben Slalom und Werkstätten freuen sich über den Anstieg an Stoßdämpferschäden. Irgendwann in den nächsten Jahren soll die Neugasse nochmals erneuert werden. Was bis dahin passiert, dazu war aus der Stadtverwaltung vorerst nichts zu erfahren. Übrigens – der tolle Highway neben der B6 muss gar nicht so lange halten wie er halten könnte. Es handelt sich lediglich um eine Baustellenumfahrung. In einem Jahr wird wieder alles weggebaggert. Aus dem Bitumenbelag wird Sondermüll und die schönen neuen Borde gehen in den Schredder. Da sage noch einer, für Straßenbau sei kein Geld da. Bund und Kommune haben eben nur unterschiedlich große Hände beim Griff in das Staatssäckel.
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