Stahlglocke geborgen
Bergung der Stahlglocke in der Trinitatiskirche Meißen-Zscheila
Am vergangenen Freitag wurde in der Trinitatiskirche im Meißner Stadtteil Zscheila ein besonderes Stück Technik- und Kirchengeschichte geborgen: eine alte, nicht mehr genutzte Stahlglocke. Versteckt hinter der aktiven Glockenanlage hatte sie jahrzehntelang im Turm ausgeharrt – doch ihr hohes Eigengewicht stellte inzwischen ein ernstzunehmendes Risiko für die Tragfähigkeit der gesamten Turmkonstruktion dar. Nach sorgfältiger Prüfung entschieden sich die Verantwortlichen des Kirchenbezirks gemeinsam mit Architekten und Statikern, den Glockenturm zu entlasten und die Stahlglocke herauszuheben. Am Freitag, dem 27. Juni, war es dann so weit: Mit Unterstützung der Firma Mentner Krane und viel Fingerspitzengefühl kam ein spezieller Mini-Kran zum Einsatz, um die schwere Glocke Stück für Stück aus dem engen Turmbereich zu heben. Mit dabei: Uwe Liebe, Glockenkenner mit langjähriger Erfahrung – war bei dieser Aktion unverzichtbar. Bevor die Stahlglocke überhaupt bewegt werden konnte, musste die große Bronzeglocke ausgebaut und beiseite gebracht werden – ein heikles Unterfangen. Die Öffnungen im Mauerwerk des Turms mussten vergrößert werden, um den Abtransport der Stahlglocke zu ermöglichen. Nach dem erfolgreichen Ausbau wurde die Bronzeglocke wieder fachgerecht montiert – natürlich nicht, ohne ihren Klang im Anschluss zu überprüfen. Ein kräftiger, reiner Ton – ein Genuss für Augen und Ohren, wenn auch nicht gerade leise. Das gesamte Vorhaben verlief reibungslos und ohne Zwischenfälle. Die Stahlglocke selbst hat nun einen neuen, würdigen Platz gefunden: Auf dem Trinitatisfriedhof, wo sie künftig dauerhaft besichtigt werden kann – als stilles Denkmal vergangener Zeiten. Bis sie, ganz in Ruhe, rostet und irgendwann zu Staub zerfällt. Und noch ein Blick zurück: Die Trinitatiskirche selbst steht auf bedeutendem Boden. Bereits im 10. Jahrhundert könnte hier eine erste Kapelle direkt gegenüber der frühen Burg Meißen gestanden haben. Der heutige Bau mit seinen romanischen und gotischen Elementen stammt im Kern aus dem 13. Jahrhundert – und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten der Region. Ein Ort, der Geschichte atmet – und sie noch heute mitschreibt.
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