Homöopathische Begleitung von Krebspatienten im Fokus
Fachseminar im Meißner Hahnemannzentrum
Am Wochenende vom 28. Februar bis 1. März 2026 fand im Meißner Hahnemannzentrum ein zweitägiges Fachseminar unter dem Titel „Von der Verschreibung zum Ergebnis – Homöopathische Begleitung von Krebspatienten in der Post-Corona-Ära“ statt. Referent war der indische Homöopath Dr. Pradeep Kumar Gupta, der in mehreren ausführlichen Vorträgen seine klinischen Erfahrungen vorstellte und anhand konkreter Fallbeispiele erläuterte. Zahlreiche praktizierende Ärzte und Heilpraktiker nahmen an der Veranstaltung teil.
Gupta ist Gründer und Vorsitzender des Naiminath Homoeopathic Medical College, Hospital and Research Centre im indischen Agra. Nach eigenen Angaben verfügt er über mehr als 40 Jahre klinische Erfahrung. Er absolvierte ein DHMS-Studium (Diploma in Homoeopathic Medicine and Surgery) und einen Masterabschluss in Homöopathie. In Agra betreibt er zudem eine eigene Klinik mit stationärer homöopathischer Behandlung und führt regelmäßig Seminare unter anderem zu onkologischen und gynäkologischen Krankheitsbildern durch.
Im Mittelpunkt des Wochenendes standen Behandlungsverläufe von Patienten mit schweren onkologischen Erkrankungen sowie die praktische Umsetzung homöopathischer Therapieansätze. Gupta präsentierte dokumentierte Fälle aus seiner Praxis, ergänzt durch zahlreiche Videoaufnahmen, die die geschilderten Verläufe nachvollziehbar machen sollten.
Besonders eindrücklich schilderte er den Fall einer Patientin mit Gallenkrebs und Hirnmetastasen. Sie sei in sehr kritischem Zustand in seine Klinik eingeliefert worden und habe diese nach knapp zwei Wochen wieder verlassen können. Die gezeigten Aufnahmen dokumentierten nach seinen Angaben eine deutliche Verbesserung: Die Frau konnte wieder sehen, sich erinnern, selbstständig essen und gehen. Solche Fallberichte sorgten bei den Teilnehmern für Aufmerksamkeit und intensive Diskussionen.
Begleitet wurde die Veranstaltung von einem internationalen Übersetzungsteam unter Leitung von Dr. Yogita Loya. Mithilfe digitaler Technik und KI-Unterstützung wurden die englischsprachigen Vorträge simultan ins Deutsche übertragen.
Auch Dr. Helge Landmann, Vorsitzender des Meißner Hahnemannzentrums, zeigte sich erfreut über die Resonanz. Die vorgestellten klinischen Verläufe hätten ihn beeindruckt. Die Veranstaltung habe verdeutlicht, wie groß das Bedürfnis nach fachlichem Austausch im Bereich komplementärmedizinischer Therapien sei.
Gleichzeitig wurde jedoch die anhaltende Kontroverse um die Homöopathie deutlich. Für das Seminar waren beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte Diplompunkte beantragt worden. Die Anerkennung als ärztliche Fortbildung blieb aus. Als Begründung wurde die Verwendung sensibler Begriffe wie „Krebs“ oder „Corona“ in Verbindung mit „Behandlung“ angeführt. Für die teilnehmenden Ärzte und Heilpraktiker wurden die Unterrichtseinheiten nicht bestätigt.
Die fehlende Anerkennung verdeutlicht die grundsätzliche Debatte um die wissenschaftliche Bewertung homöopathischer Verfahren. Während Befürworter auf dokumentierte Einzelfälle und praktische Erfahrungen verweisen, kritisieren medizinische Fachgesellschaften seit Jahren die aus ihrer Sicht unzureichende Evidenzlage – insbesondere bei schweren Erkrankungen wie Krebs.
In seinen Vorträgen berief sich Gupta unter anderem auf die sogenannten LM- oder Q-Potenzen. Diese gehen auf die sechste Auflage des „Organon der Heilkunst“ von Samuel Hahnemann zurück. Im Unterschied zu klassischen D- oder C-Potenzen handelt es sich um ein besonders fein abgestuftes Verdünnungssystem, das nach homöopathischem Verständnis eine sanftere und besser steuerbare Anwendung ermöglichen soll. Gupta stellte diese Potenzen als zentrales Element seiner therapeutischen Strategie dar und erläuterte konkrete Dosierungsschemata.
Die Auseinandersetzung um Anerkennung, wissenschaftliche Standards und Verantwortung gegenüber schwer erkrankten Patientinnen und Patienten dürfte damit auch künftig anhalten.
Abschließend verwies das Meißner Hahnemannzentrum bereits auf die nächste größere Veranstaltung: Am 11. und 12. April finden dort die 30. Meißner Hahnemanntage statt, bei denen erneut Fachvorträge und Austausch rund um die Homöopathie im Mittelpunkt stehen sollen.
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